Yalda-Nacht – Was Iraner am Shab-e Tschelleh feiern

Die Yalda-Nacht ist eines der wichtigsten iranischen Feste das zur Wintersonnenwende um den 21. Dezember gefeiert wird. In diesem Beitrag haben wir alles über die Geschichte der Yalda-Nacht sowie die bekanntesten Bräuche und Festtagsspeisen zusammengefasst.

Was ist die Yalda-Nacht?

Die Yalda-Nacht, die auch Shab-e Tschelleh (oder Chelleh) bzw. Shab-e Yalda genannt wird, ist ein iranisches Fest. Es wird in der längsten Nacht des Jahres, der Wintersonnenwende, gefeiert. Das Fest fällt in der Regel auf den 21. Dezember nach dem georgischen Kalender. In Schaltjahren auf den 20. Dezember. Die Yalda-Nacht ist eines der ältesten persischen Feste und geht zurück auf die altiranische Zeit vor dem Islam. Das Fest symbolisiert die Ankunft des Winters, die Wiedergeburt der Sonne und den Sieg des Lichts über die Dunkelheit.

Yalda bedeutet wörtlich übersetzt „Geburt“ auf Persisch. Es beschreibt den alten Glauben, dass in dieser Nacht die Göttin des Lichts, Mithra, geboren wurde. Da sie die dunkelste und längste Nacht des Jahres ist, symbolisiert die Yalda-Nacht auch viele andere Dinge in der persischen Poesie. Dazu gehören Einsamkeit, Warten und die Trennung von geliebten Menschen. Wenn Yalda vorübergeht, ist auch das Warten beendet, und das Licht übernimmt endlich die Kontrolle über die Welt.

Den meisten Überlieferungen zufolge hat dieses Fest seine Wurzeln in der persischen zoroastrischen Tradition. Die Menschen zu jener Zeit glaubten, dass die Sonne und das Licht Symbole Gottes seien, während die Dunkelheit das Böse auf Erden repräsentierte. Daher bedeuteten längere Tage, dass Gott über das Böse triumphierte, und folglich wurden die Tage länger und die Nächte kürzer.

Obwohl das Fest heute hauptsächlich im Iran gefeiert wird, finden auch in einigen nahe gelegenen Länder Yalda-Feierlichkeiten statt. Dazu gehören Afghanistan, Tadschikistan, Usbekistan und Armenien. In der westlichen Welt wird die Yalda-Nacht oft von persischstämmigen Familien gefeiert.

Alte Traditionen der Yalda-Nacht

Vor Ankunft des Islam, als die zoroastrische Tradition noch in den persischen Ländern vorherrschte, wurde die dunkelste Nacht des Jahres als unheilvoll angesehen. Die Festlichkeiten hielten die Menschen vor dem Bösen auf der Erde sicher. Sie Angst nämlich Angst vor den Mächten der Ahrimans, den Herrschern der Nacht.

Um sich vor diesen bösen Mächten zu schützen, versammelten sich die Menschen in der Sicherheit ihrer Lieben, blieben die ganze Nacht wach und teilten die letzten Früchte des Sommers. Die Gesellschaft ihrer Familie und Verwandten tröstete sie und half ihnen, die ganze Nacht wach zu bleiben.

Moderne Traditionen

Obwohl die Yalda-Nacht nicht mehr so wichtig ist, wie in den vorislamischen Tagen, ist das Fest, das kurz vor dem westlichen Weihnachten stattfindet, im Iran bis heute sehr wichtig.

Während der Rest der Welt die Straßen mit Weihnachtslichtern schmückt, bereiten sich die Iraner darauf vor, sich mit ihren Familien zu vereinen, um Yalda gemeinsam zu verbringen. Die Zusammenkünfte finden in der Regel in den Häusern der Großeltern statt. Dort isst man zusammen, trinkt und liest Gedichte. So soll man zusammen die dunkelste Nacht des Jahres mit Spaß und Lachen überstehen. Heute bleibt man in der Regel nicht mehr die ganze Nacht wach.

Yalda-Nacht im Basar von Hamadan.
Yalda-Nacht im Basar von Hamadan. © Behzad Alipour, Fars News

Speisen zur Yalda-Nacht

Wie in den meisten anderen Kulturen drehen sich auch iranische Feiertage um traditionelle Delikatessen. Zum Yalda-Abend werden vor allem Früchte gegessen. Im Iran glaubt man, dass diejenigen, die in der ersten Nacht des Winters Sommerfrüchte essen, in den kalten Tagen nicht krank werden. Granatäpfel und Wassermelonen sind besonders wertvoll, weil ihnen wegen ihres süßen Geschmacks eine tiefere Bedeutung zugesprochen wird.

Granatäpfel werden normalerweise oben auf einen Obstkorb gelegt. Sie dienen als Erinnerung an den Kreislauf des Lebens und der Wiedergeburt oder die Wiederbelebung von Generationen. Die äußere Hülle dieser Frucht symbolisiert die Geburt, während die roten Kerne das Glühen und die Schönheit des Lebens darstellen.

Wassermelonen hingegen sind aufgrund ihrer Kugelform ein Symbol für die Sonne. Sie werden auf den Tisch gelegt. Die Wassermelone ist im Iran besonders bleibt, da man glaubt, dass sie besonders effektiv zur Vorbeugung gegen Krankheiten wirkt. Die Früchte werden besonders dekoriert, um noch mehr Licht in die dunkle Yalda-Nacht zu bringen.

Obwohl die Früchte einen besonderen Stellenwert in dieser wichtigen Nacht haben, sind sie nicht das einzige, was verspeist wird.

Wie der Weihnachtstruthahn im Westen, so haben auch die Perser ihr traditionelles Abendessen. Im nördlichen Teil des Iran wird zur Yalda-Nacht normalerweise Sabzi Polo serviert. Ein Gericht mit Reis, gehackten Kräutern und geräucherten Fisch. In Shiraz gibt es ein ähnliches Gericht, das aber mit geröstetem Safran und Zitronenhühnchen serviert wird.

Es gibt viele andere Variationen dieser Speise im ganzen Iran, die zusammen mit getrockneten Nüssen, Wassermelonen und Granatäpfeln für einen herrlichen und fröhlichen Abend sorgen. Hier findet ihr eine Übersicht über beliebte persische Süßigkeiten.

Gebete und Poesie

Neben dem Essen wird der Jalda-Abend mit gemeinsamen Vorträgen und Gebeten gefeiert. Das älteste Mitglied der Familie spricht normalerweise gewöhnlich die Gebete. In den Gebeten wird Gott Dankbarkeit für das vergangene Jahr gezeigt und um den Segen Gottes für das kommende Jahr gebeten. Nachdem dem Gebet heben andere Familienmitglieder die Hand und antworten mit „Ameen“. Der Älteste der Familie schneidet dann die Wassermelone an. Ein symbolischer Akt, um Schmerz und Krankheit von allen anwesenden Mitgliedern fernzuhalten.

Eine der ältesten Traditionen der Yalda-Nacht soll dabei helfen, die Nacht leichter zu überstehen. Sie dreht sich um das Gedichtsbuch des großen persischen Dichters Shamsu d-Din Muhammad Hafez-e Shirazi, allgemein bekannt als Hafez, der im 14. Jahrhundert lebte. Jedes Mitglied der Familie wünscht sich etwas und öffnet eine zufällige Seite des Buches und gibt sie dem ältesten Mitglied zum Lesen. Das Gedicht wird dann vorgelesen und verrät, ob der Wunsch in Erfüllung geht, oder nicht.

Im Gegensatz zu Weihnachten geht es bei der Yalda-Nacht normalerweise nicht um Geschenke. Manchmal, besonders bei jungen verlobten Paaren allerdings schon. In der Yaldanacht schickt der Verlobte einen Korb mit Früchten und Geschenken an seine zukünftige Frau. In einigen Teilen des Irans erwidert die Familie des Mädchens den Gefallen und schickt ihrem Verlobten ein Geschenk zurück.

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Wie wird Yalda im Iran gefeiert?

Im folgenden Video könnt ihr einen kurzen Überblick sehen, wie die Yalda Nacht im Iran gefeiert wird.

https://www.youtube.com/watch?v=tQ8AnuFb8So&t=9s

Kann man Yalda in Deutschland feiern?

Obwohl Yalda in der Regel im Kreis der Familie gefeiert wird, versammeln sich persischstämmige Deutsche oft in Gruppen, um in der Yalda-Nacht zusammen zu essen und ihre Kultur zu feiern. Wenn ihr einen persischen Bekannten habt, könnt ihr euch den Feierlichkeiten sicherlich anschließen und die Nach aus erster Hand erleben. Durch die Einschränkungen durch den Coronavirus Lockdown in Deutschland wird es in 2020 keine größeren Feierlichkeiten geben können.

Yalda-Nacht – Was Iraner am Shab-e Tschelleh feiern

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